Gewinnungstechnik
Vor der Entwicklung der Baggertechnik durch Leonardo da Vinci (1452 - 1519) war die Gewinnung von Kies und Sand mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden. Jedoch erst mit der technischen Revolution, die durch die Entwicklung der Dampfmaschine (um 1765) ausgelöst wurde, zog auch die Mechanisierung in die Sand- und Kiesgewinnung ein.
Bei der Naßgewinnung wird das Mineral aus Flüssen, Seen und Off-shore-Gebieten der Meere oder im Gelände (meist nach einem Trockenabbau) unterhalb des Grundwasserspiegels aus dem Wasser gewonnen.
Bei der Trockengewinnung werden zunächst der Mutterboden und der darunterliegende Flugdecksand mittels Radlader, Schurfkübelraupen oder anderer Geräte abgeräumt und seitlich aufgehaldet. Das Gelände muß soweit abgeräumt werden, daß das verwertbare Mineral freiliegt und gewonnen werden kann. Je nach den betrieblichen Verhältnissen werden in Deutschland für die Gewinnung Radlader, Hydraulik- und Seilbagger, Schrapper oder Schub- und Schurfkübel-Raupen eingesetzt.
Förderung
Das gewonnene Mineral (Rohmineral) muß, bevor es industriell einsetzbar ist, "aufbereitet" werden. Dazu wird das Mineral zu den Aufbereitungsanlagen im Kieswerk transportiert ("gefördert"). Erst durch die unterschiedlichen Aufbereitungsstufen im Kieswerk wird aus dem Mineral der verwendungsfähige mineralische Rohstoff Kies und Sand, genauer gesagt: erst durch die Aufklassierung fallen die einzelnen Körnungen (Korngruppen) an, und nur diese sind industriell verwertbar. Abhängig von den geologischen Verhältnissen der Lagerstätte (Kornzusammensetzung des Rohminerals, Lehmanteile usw.) sind in 1.000 Kilogramm Rohmaterial z. B. etwa nur 45 kg der Quarzkörnung 0,71 – 1,25 mm enthalten. Anders ausgedrückt: für 1 Tonne dieser Quarzkörnung, die im Wasserwerk als Filterkies benötigt wird, müssen oft 20 Tonnen Rohmineral und mehr gewonnen werden! Das gewonnene Rohmineral wird selbstverständlich insgesamt aufbereitet und – abhängig von der Körnung – in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt.
Beim erstmaligen Auffahren einer Lagerstätte wird das Kieswerk unmittelbar neben die künftigen Mineralgewinnungsflächen gebaut, um das Rohmineral auf kürzestem Weg in die Aufbereitungsanlagen zu fördern. Wenn die Abbaufelder erschöpft sind, müssen neue Flächen aufgefahren werden, so daß die Flächen, auf denen der Abbau umgeht, immer weiter vom Kieswerk entfernt liegen und die Förderung des Rohminerals damit bedeutsamer wird.
Die für die Förderung zum Kieswerk eingesetzte Technik ist äußerst vielfältig und richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten. Sie reicht vom Gurtbandförderer über Schwerlast-Lkw, Grubenbahn, Schuten (flache, offene Wasserfahrzeuge) bis hin zu hydraulischen Fördersystemen über Rohrleitungen.
Wiederherrichtung der Gewinnungsstätten
Nach beendeter Mineralgewinnung werden die Gruben des Tagebaus meistens auf das Ursprungsniveau verfüllt und nach der Verfüllung zur Folgenutzung wiederhergerichtet also rekultiviert, so dass wieder Ackerbau, Viehwirtschaft, oder Forstwirtschaft betrieben werden kann, oder der natürlichen Sukzession überlassen (renaturiert). Baggerseen werden nach Erschöpfung des Vorkommens für den Badebetrieb oder für die stille Erholung oder als Wasserspeicher für die Trinkwasserversorgung hergerichtet. Maßgebend sind die im Genehmigungsverfahren festgelegten Auflagen. Einen Eindruck der durch die Wiederherrichtung entstehenden Landschaften zeigt unsere Broschüre "Deutscher Nachhaltigkeitspreis Kies und Sand 2010"sowie unser Video zum selben Thema: